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"Motorsport ist NASCAR!"

In den USA gibt es zuerst die NASCAR, dann kommt lange nichts. Wolfgang Monsehr über die Serie, die alles dominiert.

Flybrid takes flight

NASCAR ist die Abkürzung für National Association for Stock Car Auto-Racing, die im Dezember 1947 von einem gewissen Bill France gegründet wurde. France war einige Jahre zuvor mit seiner Familie nach Daytona Beach in Florida gezogen und betrieb dort mehr schlecht als recht eine Werkstatt und eine Tankstelle. In seiner Freizeit betätigte sich France als Rennfahrer und nahm an den berüchtigten Strandrennen in Daytona Beach teil. Zu jener Zeit war das eine ziemlich abenteuerliche und wilde Angelegenheit: Die meisten Teilnehmer waren Alkoholschmuggler mit getunten Fahrzeugen; mehr oder weniger durfte alles fahren was vier Räder hatte.

France erkannte schon früh das Marketing-Potential dieser Rennen; es bedurfte nur einer gewissen Ordnung. Im Dezember 1947 berief er dann unter allen Beteiligten das berühmte Meeting im Streamline-Hotel in Daytona Beach ein (das heute noch existiert), woraus dann das NASCAR-Imperium hervorging. Schon wenige Jahre nach der Formierung von NASCAR wagte Bill France den nächsten Schritt: Er baute am Stadtrand von Daytona Beach den berühmten Daytona Speedway, wo jedes Jahr traditionsgemäß der Saisonstart in die neue NASCAR-Saison erfolgt. Die ersten Jahrzehnte waren für Bill France und den NASCAR-Sport nicht ganz einfach: Der Rennsport dümpelte dahin, die Öffentlichkeit wurde von den Medien nur sporadisch über NASCAR-Rennen informiert.

Nach oben geboxt

Das änderte sich schlagartig im Februar 1979: Am Wochenende des Daytona 500 gab es kaum andere große Sportveranstaltungen und der US-TV-Sender CBS beschloss, das Rennen live zu übertragen. Richard Petty, unbestritten die größte Persönlichkeit im amerikanischen Motorsport neben Mario Andretti und A. J. Foyt, gewann mit seinem Plymouth das Rennen, aber viel spektakulärer war nach Rennende der berühmte Faustkampf zwischen den Allison-Brüdern und Cale Yarborough. Alle drei waren in einen Unfall verwickelt und beschuldigten sich gegenseitig, die Verursacher gewesen zu sein. CBS zeigte diesen Kampf ebenfalls live, und von da an katapultierte sich der NASCAR-Sport an die Popularitätsspitze bei den Fans. Heute wird der NASCAR-Motorsport fast weltweit übertragen und macht Millionenumsätze mit dem Souvenirhandel. Obwohl top-professionell, verleugnet der NASCAR-Sport dennoch nicht seinen Ursprung: Mit Ausnahme von zwei Rennen (Infineon-Raceway/Sears Point und Watkins Glen) finden sämtliche Rennen auf Ovalkursen statt.

Das Interesse von Rennstreckenbetreibern an NASCAR-Veranstaltungen ist so groß, dass viele Veranstalter jahrelang auf einer Warteliste stehen, bis sie den Zuschlag zu einem NASCAR-Rennen bekommen. Heute ist der NASCAR-Nextel-Cup-Kalender auf  37 Rennen angewachsen – Tendenz steigend. Größte Nachteile und Probleme: Fast alle Beteiligten sind am Saisonende total ausgebrannt, und die NASCAR-Organisation hofft bei jedem Rennwochenende auf gutes Wetter, denn bei Regen wird auf Ovalkursen nicht gefahren.

Allmähliche Internationalisierung

Doch auch der NASCAR-Sport ist im Umbruch begriffen und schon längste keine uramerikanische Angelegenheit mehr. Toyota ist der Vorreiter für den Trend, dass sich im NASCAR-Sport nun auch ausländische Fahrzeuge bzw. Hersteller engagieren, und auch Nissan und Honda stehen bereits in den ‚Startlöchern’ für baldige NASCAR-Aktivitäten. Tiefschläge gab es für den NASCAR-Sport vor einigen Jahren durch die tödlichen Unfälle von Adam Petty (den Enkel von Richard Petty) und Dale Earnhardt. Daraus resultierte die Idee des COT „Car of Tomorrow“, ein NASCAR-Fahrzeug, das ab 2008 eingesetzt werden und noch sicherer sein soll. Einen weiteren Tiefschlag gab es mit dem Ausstieg der Zigarettenmarke Winston als Hauptsponsor, Ersatz war allerdings schnell gefunden: Der US-Telekommunikationsanbieter Nextel nahm den vakanten Platz ein.

Wirtschaftlicher Musterknabe

Aber damit nicht genug: Weltbekannte Namen und Logos von Firmen wie Coca-Cola, Pepsi-Cola, Snickers usw. gehören zum bekannten Sponsorbild im NASCAR-Sport, und selbst Hundefutter-Produzent Pedigree sowie Caterpillar Hersteller von Baumaschinen, sind traditionelle NASCAR-Sponsoren. Neuester Zugang ist in diesem Jahr Red Bull. „Teilweise müssen wir Sponsoren sogar ablehnen, so groß ist momentan das Interesse am NASCAR-Sport. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, was ein Investor an Gegenwert für sein Geld bei uns bekommt: Jedes Rennen live in ganz Amerika, dazu ein Zuschaueraufkommen, von dem andere Veranstalter nur träumen können. Und nicht zu vergessen: der große Merchandise-Handel und Umsatz“, erklärt NASCAR-Pressechef Jim Hunter.

Heute ist der NASCAR-Sport ein millionenschweres Unternehmen, das auf eine Stufe mit der Formel 1 und den Olympischen Spielen gestellt werden kann. Die an der NASDAQ notierte AG hat mit 31 Millionen Aktien einen Marktwert von derzeit rund 1,61 Milliarden US$ und erzielte zuletzt Jahresumsätze von 740 Millionen (2005) und 795,5 Millionen US$ (2006).

Raum für Nachwuchs

Der NASCAR-Motorsport gliedert sich momentan in drei Hauptkategorien und unzählige regionale Rennserien. Top-Kategorie ist der Nextel-Cup. Hier wird mit Silhouetten von Großserienlimousinen gefahren, und hier findet man die etablierten NASCAR-Starpiloten wie Earnhardt jr., Jeff Gordon, Jimmie Johnson, Kyle Petty und ex-F1-Fahrer Juan-Pablo Montoya. Chevrolet, Dodge/Chrysler, Ford und neuerdings Toyota zeigen hier ein großes Engagement. Die zweite Klasse unterhalb des Nextel-Cups ist die Busch-Serie. Hier findet man ein gemischtes Fahrerfeld sowohl von schon etablierten NASCAR-Piloten als auch Neulingen. Fahrzeuge der Busch-Serie sind optisch fast identisch mit denen des Nextel-Cups, haben jedoch einen kürzeren Radstand und sind, obwohl sie auch über V8-Motoren verfügen, nicht so leistungsstark wie die Nextel-Cup-Autos. Die Busch-Serie ist als Sprungbrett für zukünftige Nextel-Cup-Piloten gedacht. Kategorie Nr. 3 ist die Truck-Rennserie die von dem US-Werkzeughersteller Craftsman finanziell unterstützt wird. Dabei handelt es sich um modifizierte Pick-Up-Fahrzeuge, ebenfalls mit V8-Motoren ausgerüstet. In den letzten Jahren hat sich die NASCAR-Craftsman-Truckserie als „Auffangbecken“ für ältere ehemalige Nextel-Cup-Piloten entwickelt.

Neben diesen drei Top-Rennserien schreibt die NASCAR-Organisation noch regionale Rennserien aus, die von Staat zu Staat variieren; auch aus diesen Rennserien soll sich der Nextel-Cup-Nachwuchs entwickeln. Derzeitiger Manager des NASCAR-Motorsport-Imperiums ist der Amerikaner Mike Helton, doch im Hintergrund zieht noch immer die Familie von Gründer Bill France die Fäden und trifft die wichtigsten Entscheidungen.

Traum eines jeden Veranstalters: Die Medien sind immer ganz nah dran.

 

Volle Starterfelder: Den Fans wird viel geboten fürs Geld.

Volle Starterfelder: Den Fans wird viel geboten fürs Geld. Und sie sind ganz nah dran.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht rund: Bei dem Getümmel auf der Piste ...

Es geht rund: Bei dem Getümmel auf der Piste ...

 

... kommt es fast zwangsläufig zu spektakulären Kollisionen.

... kommt es fast zwangsläufig zu spektakulären Kollisionen.

 

Show ist alles: Die Fans haben das gesamte Geschehen immer im Blick.

Show ist alles: Die Fans haben das gesamte Geschehen immer im Blick.

   



(von Wolfgang Monsehr)

Stichworte:
Rennstrecken / Veranstalter >> Rennserien Automobil