Unternehmen und Produkte Management Technik Interviews Hochschulen Karriere Alle News
ADAC PROCAR-Chef Bastuck zur aktuellen Situation der Serie

Rückläufige Starterzahlen in der ADAC PROCAR, Rainer Bastuck erklärt Hintergründe, Preispolitik und Zukunft im großen motorsport-guide Interview.

ADAC Procar Interview Bastuck

Interview: ADAC PROCAR-Chef Bastuck zur aktuellen Situation der Serie

Rückläufige Starterzahlen in der ADAC PROCAR, Rainer Bastuck erklärt Hintergründe, Preispolitik und Zukunft im großen motorsport-guide Interview.

Die ADAC PROCAR-Tourenwagenserie musste in diesem Jahr in den ersten beiden Rennen der Saison 2012 erschreckend schwache Starterzahlen vermelden. Lediglich elf Fahrzeuge starteten in beiden Divisionen der S2000 und S1600-Fahrzeuge. motorsport-guide bat Serienchef Rainer Bastuck um eine erste Stellungnahme und fragte wie es mit der Serie weiter geht.

 Die Serie startete schwach in die Saison

Die Serie startete schwach in die Saison, Bastuck prognostiziert trotzdem steigende Teilnehmerzahlen

4.       1.       msg: Rainer, das Starterfeld in der ADAC Procar ist mit 11 Fahrzeugen in zwei Divisionen 2012 bislang schwach aufgestellt, wie konnte es dazu kommen?

Rainer Bastuck: Wir sind uns bewusst, dass das Starterfeld mit insgesamt 11 Fahrzeugen stark dezimiert aussieht. Doch für uns stellt es sich doch etwas anders dar. Neun Teilnehmer in der Division 2 - das sind weniger als im vergangenen Jahr. Beim Saisonauftakt fehlten dort die fest eingeschriebenen drei Fahrzeuge von Maurer Motorsport. Die werden ab jetzt beständig dabei sein. In der Division 1 sieht es hingegen anders aus. Die Zahlen sagen nichts anderes als im letzten Jahr: Fünf fest eingeschriebene Fahrer (Weimann, Kast, "Green", Hertner und Vukovic) - wiederum die gleiche Anzahl wie in 2011. Doch konnten sowohl beim Saisonauftakt als auch in Zandvoort nicht alle teilnehmen und die angekündigten Gaststarter hatten technische Probleme. Sie werden aber im Laufe der Saison dazu kommen. Manchmal kommen mehrere Sachen zusammen und wenn weder fest Eingeschriebene noch Gaststarter am Freitag an der Rennstrecke aufschlagen, sind wir davon auch überrascht. Das ist uns in den letzten Jahren so noch nicht passiert.

 
2.       msg: Warum tun sich die Teams schwer sich für die ADAC Procar zu entscheiden?

Rainer Bastuck:  Ich denke nicht, dass es ein Problem der Teams ist. Viele Teams würden sogar gern noch weitere Fahrzeuge einsetzen, aber es fehlen die Fahrer. Wir haben eine gute Plattform und wir bieten unseren Teams vieles, aber wir sind eine Breitensportserie. Wir können natürlich nicht mit live TV-Coverage dienen. Bei uns steht der Sport im Vordergrund. Der Zusammenhalt zwischen den Teams und die Stimmung ist gut - hier wird noch nach rechts und links geschaut - und nicht, um abzuschauen, sondern um sich gegenseitig zu helfen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Fahrer, die einmal in der PROCAR gefahren sind, gerne wieder kommen. Gerade weil die Atmosphäre noch stimmt.

3.       3.       msg: Aber insbesondere die S2000-Klasse hat stark abgenommen, was können die Gründe sein?

Rainer Bastuck:  Fakt ist, dass die Preisunterschiede zwischen einem Super 2000-Tourenwagen und beispielsweise einem GT-Fahrzeug auf Leihbasis nicht groß sind. Kein Wunder, schließlich ist die Technik in den Super2000-Boliden mehr als ausgereift und auf einem Top-Niveau. Ich denke, das ist eine natürliche Wellenbewegung. Derzeit sind die GT-Fahrzeuge deutlich auf dem Vormarsch, vor einigen Jahren boomte der Tourenwagensport. Das hat nichts mit besseren oder schlechteren Fahrzeugen zu tun, sondern ist sozusagen eine Trendfrage.

GT-Boliden nehmen Tourenwagen die Fahrer weg

Die Tourenwagenteams verlieren Piloten an die boomenden GT3-Rennserien

 
4.       msg: Gibt es mit der FIA ETCC eine neue Konkurrenzserie?

Rainer Bastuck:  Natürlich ist die ETCC eine Art Konkurrenz. Es ist ebenfalls eine Tourenwagenserie. Wenn man sich die Division 2 anschaut, so finden sich dort mehrere Teams, die im vergangenen Jahr auch in der PROCAR fuhren. In der ETCC können sie in diesem Jahr vorne mitfahren - die Leistungsdichte ist vor allem in der Division 2 weniger hoch als in der ADAC PROCAR. So können schneller Erfolge eingefahren werden, das ist natürlich ein verständlicher Reiz. Prinzipiell sind für uns aber vor allem die Termine ungünstig. Teams, die von der ETCC wieder in die PROCAR einsteigen wollten, konnten das in Zandvoort nicht, weil die Termine zu eng liegen.

5.      5.       msg: Sind wirtschaftliche Einflüsse für den Teilnehmermangel mit verantwortlich?

Rainer Bastuck:  Das weiß ich nicht genau, aber ich denke nicht. Unsere Zielgruppe sind ja eher privat organisierte Teams - da sind die wirtschaftlichen Schwankungen nur in geringerem Maße entscheidend. Es bedeutet nicht, dass sie nicht auch Auswirkungen haben, aber ich denke, dass sie nicht maßgeblich den Ausschlag geben, ob genannt wird oder nicht.

 

6.      6.       msg: Ihr hattet Pläne Seat Cup-Fahrzeuge zuzulassen. Was ist daraus geworden?

 Rainer Bastuck:  Die Pläne sind umgesetzt worden. Wir haben den Teams aus dem ehemaligen Seat Leon Supercopa die Chance gegeben, die Fahrzeuge bei uns einzusetzen. Voraussetzung war, dass sie auf 17 Zoll Räder umrüsten, weil sie sonst nicht in unser Reglement passen. Hätten sich mindestens 6 Fahrzeuge eingeschrieben, stünde einer eigenen Wertung nichts im Wege. Das wäre eine Übergangslösung gewesen. Langfristig wollten wir sie ganz in die Division 1 integrieren - dann mit 1,6 Liter Turbomotor. Uns ist Chancengleichheit wichtig und wir wollen unseren eingeschriebenen Teams nicht vor den Kopf stoßen. Wir freuen uns über neue Fahrzeuge, aber nicht um jeden Preis.

Seat Leon Supercopa erlaubt

ADAC PROCAR gibt Seat Leon Supercopa neues Einsatzgebiet, doch zu wenig Teams zeigen Interesse

 

7.       7.       msg: Habt ihr Pläne noch weitere Klassen oder Divisionen einzubinden?

 Rainer Bastuck:  Außer der eben beschrieben Klasse für Seat Leon Supercopa als Übergangslösung gibt es keine weiteren Pläne.

 

8.       8.       msg: Wäre die Einbindung einer GT4-Klasse eine Alternative?

 Rainer Bastuck:  Nein, dies ist nicht angedacht.

 

9.       9.       msg: Wird die S2000/S1600-Idee vielleicht zu teuer? Muss man sich nach einer Alternative umschauen? Welche könnte das sein?

Rainer Bastuck: Ich denke, dass es keine Frage des Geldes ist. Das Geld ist ja da. Die potenziellen Fahrer geben es aber anderswo aus. Wir prüfen Alternativen. Man muss sich nur im europäischen Ausland umschauen - da gibt es genügend Anregungen. Ob etwas davon oder etwas ganz anderes für uns in Frage kommt, können wir jetzt noch nicht sagen. Generell möchten wir aber an unserem bestehenden Konzept festhalten, denn es gibt genügend S2000 und S1600 Fahrzeuge und es wird sie auch weiterhin geben. Die Motorenkonzepte sind bewährt. Mit der zusätzlichen Zulassung der 1,6 Liter Turbofahrzeuge sind wir für die Zukunft gut gewappnet.

Ford 1,6 Liter Turbo

Die Zukunft liegt im 1,6 Liter Turbo, der auch in der WTCC überzeugt

 

10.   10.       msg: Wie siehst Du die Zukunft der Serie?

Rainer Bastuck: Wir sehen optimistisch in die Zukunft. Nach dem "Durchhänger" zu Beginn der Saison, der wie bereits gesagt, aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren resultierte, sieht die Starterliste für den Sachsenring erfreulich voll aus und auch für die darauffolgenden Rennen haben sich bereits Gaststarter angemeldet. Wir haben eine gute Plattform und - anders als in anderen Serien - halten wir an unseren Reglements fest. Zwei-Liter Saugmotoren erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit und wenn man sich umschaut, gibt es genügend einsatzbereite Fahrzeuge. Der Bau und die Wartung von 2,0 Liter-Motoren gehört doch überall zur Pflicht - warum sollte man das Potenzial vergeuden? Wie so oft kann man nicht alles über Nacht erreichen, aber wir sind auf einem guten Weg und planen jetzt bereits das kommende Jahr und sind mit neuen Fahrern in Kontakt. Es ist einiges in Bewegung und das freut uns.

 




(von Wolfgang Sievernich)

Stichworte:
Fahrer >> Tourenwagen >> Sprintrennen
Reglements / Rennorganisation